Image Alternative Text:

„Überall erkenne ich die Saat einer Revolution, die unfehlbar kommen wird.“

Voltaire (französischer Philosoph, 1694–1778, Brief an Bernard-Louis Chauvelin, 1764)

URSACHEN +
AUSLÖSER

Play
Tiefe Krisen wie der Erste Weltkrieg bringen Gesellschaften aus dem Gleichgewicht, sodass es zu Revolutionen kommen kann. Dieses Plakat ruft in den letzten Kriegsmonaten die Bevölkerung mit Durchhalteparolen zur finanziellen Unterstützung des Krieges auf.   

„Harret aus! Zeichnet die neunte [Kriegsanleihe]!“
Plakat (Reproduktion), 1918  
MARCHIVUM, Mannheim, Plakatsammlung

Revolutionen brechen nicht „einfach so“ aus. Langfristige Ursachen zerrütten ein politisches System und bringen es meist unmerklich aus dem Gleichgewicht: Wirtschaftliche Krisen, tiefe Wut über Ungerechtigkeiten, Vertrauensverlust der Herrschenden… So verliert die Regierung an Rückhalt in der Bevölkerung, vor allem aber bei den Eliten, auf die sie ihre Macht stützt. Damit es wirklich zu einer Revolution kommt, ist aber auch die Vision einer alternativen Ordnung notwendig. Haben die langfristigen Ursachen ein politisches System innerlich zerrüttet, genügt häufig ein Anstoß – und die Revolution kommt ins Rollen. Oft ist es nur ein kleines Ereignis, das wahrscheinlich unter anderen Voraussetzungen, in einem stabilen System, folgenlos geblieben wäre. Wenn es aber unter der Oberfläche schon lange brodelt, kann das zum Ausbruch führen. Es ist dann der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

Karl Marx (Revolutionstheoretiker, 1818-1883, Manifest der Kommunistischen Partei, 1848)

UMSTURZ

Play

In jeder Revolution kommt der Moment, in dem das bisherige System zusammenbricht. Dieser Umsturz ist ein entscheidendes Wesensmerkmal von Revolutionen. Der Herrscher wird gestürzt und die Revolutionäre übernehmen die Macht im Staat. Damit es dazu kommen kann, müssen sie sich im Vorfeld abstimmen und möglichst alle mit der Regierung Unzufriedenen ins Boot holen. Darum sind Revolutionen ohne Kommunikation und Medien nicht denkbar. Auch während der Revolution spielen Medien eine große Rolle: Sie kommentieren die Ereignisse, machen sie bekannt und rufen zur Beteiligung auf. Dabei nutzt man vor allem solche Medien, die billig und leicht verfügbar sind: Zeitungen und Flugblätter, heute ergänzt durch die Sozialen Netzwerke im Internet. Eine andere Form der Kommunikation sind symbolische Handlungen, etwa das Vernichten von Machtsymbolen der alten Regierung. Gelungene Kommunikation führt dazu, dass andere sich von der Revolution anstecken lassen – auch über Ländergrenzen hinweg. Das zieht dann oft neue Umstürze nach sich.

„Wir hatten Flügel. Wir haben echt gedacht, uns gehört die Welt und wir können wirklich alles umkrempeln und ändern.“

May Abdel Asim (Unternehmerin aus Kairo,
über die Ägyptische Revolution 2011, im Deutschlandfunk 2017)

FLITTERWOCHEN

Play

Dem Umsturz folgt meist eine Phase der Euphorie, in der alles möglich erscheint. Die alten Beschränkungen sind gefallen, neue gibt es noch nicht. Der Traum einer herrschaftsfreien Gesellschaft scheint Wirklichkeit geworden zu sein. Viele Ideen werden gehandelt, wie eine neue bessere Welt aussehen und wie sich der Einzelne darin verwirklichen könnte. Hehre Ideale werden verkündet, die sich noch keiner Überprüfung an der harten Realität unterziehen müssen. Es ist die Zeit der Utopien. Bilder von jubelnden Menschen, wie nach dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Mubarak oder nach dem Mauerfall, charakterisieren diese Phase. Doch diese Zeit der Euphorie dauert meist nicht sehr lange. Bald müssen die Fragen nach einer neuen politischen und gesellschaftlichen Ordnung geklärt werden, und damit geht es wieder um Macht und Herrschaft. Im besten Falle gelingt es, viele der Ideale in die neue Wirklichkeit hinüber zu retten und zu verwirklichen.

„Da alle Gewaltherrschaften so eingerichtet sind, daß ihre Vernichtung auf friedlichem Wege unmöglich ist, so bleibt nichts übrig, als der Gewalt Gewalt entgegen zu setzen.“

Gustav Struve (Badischer Revolutionär, 1805–1870)

AKTEURE

Play

Eine Revolution ist nicht denkbar ohne die Menschen, die daran beteiligt sind. Am bekanntesten sind die charismatischen Anführer, die auf die Unterstützung breiter Bevölkerungsschichten angewiesen sind. Unter den Akteuren herrschen oft unterschiedliche Vorstellungen, wie weit eine Revolution gehen soll. Gemäßigte Kräfte bezeichnen eine Revolution meist als beendet, wenn sich eine neue politische Ordnung etabliert hat. Radikale fordern dagegen eine tiefgreifende Veränderung aller wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Oft können solche radikalen Vorstellungen nur mit Gewalt durchgesetzt werden. Revolutionen haben darum vielfach einen hohen Preis gefordert. Die alten Mächte sind ein bevorzugtes Ziel von Gewalt. Machtkämpfe unter den Akteuren fordern ihre Opfer. Scheitern Revolutionen, so verläuft ihre Niederwerfung meist ebenfalls blutig. "Friedliche" Revolutionen gelten vielen daher als Ausnahme.

„Die Leute, die sich rühmten eine Revolution gemacht zu haben, haben immer am Tag darauf gesehen, daß die gemachte Revolution jener, die sie machen wollten, durchaus nicht ähnlich sah.“

Friedrich Engels (Revolutionstheoretiker, 1820–1895, Brief an Vera Sassulitsch, 1885)

NEUORDNUNG

Play

Revolutionen zielen in der Regel auf die Errichtung einer neuen Ordnung, doch sind diese Versuche nicht immer erfolgreich. Äußere Umstände und innere Krisen können zu einer so großen Belastung werden, dass eine Revolution scheitert. Doch es ist ein Wesensmerkmal von Revolutionen, dass man hinter das einmal Erreichte nicht mehr vollständig zurückkehren kann. Von jeder Revolution bleibt etwas bestehen. Große Demokratien wie die USA oder Frankreich berufen sich bis heute auf ihre Gründung durch revolutionäre Umwälzungen. Bei jüngeren revolutionären Bewegungen wie dem Arabischen Frühling ist die weitere Entwicklung noch nicht abzusehen, die momentane Situation erscheint zwiespältig. In Deutschland tat man sich lange schwer im Umgang mit den Revolutionen in der eigenen Geschichte. Dabei beruht unsere heutige Demokratie wesentlich auf den Errungenschaften von 1848, 1918 und 1989. Aus der Rückschau werden Revolutionen unterschiedlich bewertet. Oftmals bilden sich unterschiedliche Erinnerungskulturen aus.

UND DU?

Play

Was wäre, wenn du selbst gefordert wärst? Wenn es darum ginge, gegen ungerechte Verhältnisse aufzubegehren? Eine diktatorische Herrschaft zu stürzen? Wie würdest du dich verhalten? – Oder aber, wenn du selbst zu denjenigen gehörst, die über Privilegien verfügen, über Macht und Besitz: Würden du etwas davon abgeben, wenn Kritik an den herrschenden Verhältnissen laut wird? – Wie würdest du dich also in einer revolutionären Umbruchsituation verhalten?

Die Auswertung unseres kleinen Spiels mit dem Schiff hier, soll dir nur eine Anregung sein. In der Ausstellung wird dich das Spiel ausführlich begleiten und kann dir Antworten zu deinem revolutionären Potenzial liefern. Nur Mut: Trau dich, diese Auswertung vorzunehmen, als Einzelner oder in der Gruppe!

Lass uns über Revolution reden. Der Begriff begegnet uns auffallend häufig im Alltag. Kosmetikprodukte sind oft eine Revolution, aber auch im Baumarkt werden eine Reihe revolutionärer Produkte angepriesen und Diäten und Lifestyles sind auch mal schnell eine Revolution.

Wo begegnet dir Revolution im Alltag?

Mach ein Foto und poste es auf Instagram: #RevolutionFA

Created by Codegena.